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Uwe Natus

Portrait

    »Portrait« ist eine Serie, in der Menschen vorge-
    stellt werden, die in künstlerischer, literarischer
    oder anderer interessanter Art und Weise Aspekte
    menschlichen Erlebens und Verhaltens illustrieren.

In der letzten Juli-Woche eines jeden Jahres feiern Klerus und Bürger der Stadt Paderborn ihr traditionelles Libori-Fest. Die Menschen sind dann besonders froh, die Stadt ist geschmückt und das Wetter ist (meistens) schön, Auf einem Plätzchen inmitten all der Attraktionen, Losbuden und Stände, zwischen Waffeln, Wiener Mandeln, Mohrenköpfen und Zuckerwatte steht eine kleine Puppenbühne mit fünf oder sechs Bänkchen. Wenn die nächste Vorstellung beginnt, sitzen auf diesen Bänkchen Kinder, die auf den Kasper mit der langen, krummen Nase warten.

    »Sind da Kinder?«
    »Jaaa...«
    »Sind da viele Kinder?«
    »Jaaa...«
    »Sind da fröhliche Kinder?«
    »Jaaa...«

Ja, es sind fröhliche Kinder, die mit strahlenden Augen und glühenden Bäckchen die Abenteuer ihres Kaspers miterleben. Doch als erstes stellt Uwe Natus den Zauberer vor, der früher mal ein Baum gewesen ist und der ein schönes Kostüm trägt, das »vielleicht« aus einem alten Kopfkissen genäht wurde. Uwe Natus erklärt, dass die Puppen ihn brauchen und ohne seine Stimme nicht sprechen können. Er zeigt, wie der Kasper, der Zauberer, der Räuber Hotzenplotz, der Polizist, wie Seppl und die gute Großmutter mit seiner Stinme und mit seinen Händen lebendig werden, wie er damit den Dialog zwischen Puppen und Zuschauern vermittelt. Daran ist nichts, was verborgen werden müsste, kein Trick und kein technisches Geheimnis. Der Puppenspieler bleibt während der ganzen Vorstellung sichtbar, er versteckt sich nicht in der Kulisse und er verstellt auch nicht seine Stimme. Die Kinder beachten den Spieler nicht, sie kommunizieren mit den Puppen. Diese Kommunikation ist bilateral. Die Kinder können mitspielen, Vorschläge und Einwürfe machen, die dann in den Handlungsablauf eingebaut werden. »Das wichtigste Werkzeug für den Puppenspieler ist das Ohr«, sagt daher Uwe Natus. Das eigentliche Geheimnis, die Faszination des Puppenspiels, liegt nicht in den Puppen und den simplen Requisiten, das Geheimnis liegt in den Zuschauern selbst. Nur mit deren Einbildungskraft und durch deren Fantasie kann das Puppenspiel seine Wirkung entfalten. Daher sind die Kinder vor der Puppenbühne so fröhlich, so lebendig, so aktiv. Sie sind begeistert, das bedeutet: ihre Fantasie, ihre Imagination und Vorstellungskraft, eben ihr »Geist«, wird angeregt und angespannt. Das ist der große und wesentliche Unterschied zum perfektionierten Fernsehen, dessen optische und akustische Wiedergabequalität keine Wünsche mehr offen lässt. Es gibt aber eben nur wieder, es nimmt der Vorstellungskraft alle Arbeit und lässt daher den Geist verkümmern. Das tun auch die meisten High-Tech-Attraktionen der Libori-Kirmes, welche die bescheidene Puppenbühne überragen und mit grellen Lichteffekten und aufgedrehtem Sound für sich werben. Sogar in dieser Umgebung, sogar bei dieser Idealkonkurrenz hat das Puppenspiel eine Chance, denn in der Seele aller Kinder wohnen Freude und Fantasie. – »Puppenspielen macht mich glücklich«, sagt Uwe Natus. Deshalb wird es noch oft heißen: »Tri-tra-trullala, der Kasperle ist wieder da.«


    Geschrieben von Professor Dr. Dr. Kurt Guss
    in "Psychologie verstehen" Ausgabe 2/1999.
 

Auftritte und Auszeichnungen

  • Kinderfest des Bundeskanzlers
  • Künstlerhaus der Stadt Wien
  • Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur (Ehrenliste)
  • 1. Preisträger der literarischen Werkstatt der Stadt Paderborn
  • Förderstipendium des Landes NRW für Autoren
  • Reisen für das Goetheinstitut in viele Länder Europas
  • Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef)
  • Bibliotheken, Büchereien, Verbände und Firmen, Begegnungsstätten, Schulen und Kindergärten
  • Historische Stadtfeste von Hamburg bis München
  • Fernseh- und Rundfunkarbeit:
    u.a. "Schenk mir ein Buch" und
    "Neues aus Uhlenbusch"-Fernsehserie
  • Aufführungen mit seinem einmaligen Farradtheater Velo-Theatre, das es vor 100 Jahren nur in Paris gab
  • Lehrbeauftragter für Didaktik und Methodik an der Universität Paderborn

 

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